Im Vorfeld der Grünen Woche wurde das wichtigste Lobbyorgan der deutschen Agrarindustrie, der Deutsche Bauernverband, für sein kontinuierliches Engagement in der positiven Außendarstellung der deutschen Landwirtschaft ausgezeichnet. Ausgerüstet mit Rosa Brillen, Transparenten, Schildern und Flugblättern haben Mitglieder des Bündnisses „Grüne Woche demaskieren“ das Ereignis begleitet.

Insbesondere die „Tierwohl-Initiative“ der Branche wurde als origineller Werbegag hervorgehoben.

Die Öffentlichkeit diskutiert über Landwirtschaft und Tierhaltung wie selten zuvor. Beinahe im Wochentakt kommen grausige Bilder und verstörende Fakten aus den Mastställen und Schlachthöfen ans Licht. Die Agrarindustrie sieht in der wachsenden öffentlichen Kritik einen Hauptrisikofaktor für ihren wirtschaftlichen Erfolg. Der Deutsche Bauernverband setzt daher auf aufwändige PR-Arbeit und großangelegte Image-Kampagnen.

 

Warum der Deutsche Bauernverband den Preis Rosa Brille 2015 erhalten hat:

Der DBV verfolgt bei seiner Außendarstellung der deutschen Landwirtschaft eine interessante Doppelstrategie. Einerseits beschönigt und verharmlost er die Gewalt, die Tieren im Rahmen der Nutzung zur Produktion von Fleisch, Milch und Eiern angetan wird, auf bisweilen groteske Weise. So zum Beispiel, wenn er auch die grausamste Gefangenhaltung, Verstümmelung und Tötung von Tieren als „tiergerecht“ bezeichnet oder Tiertransporte als Tierschutzmaßnahme vermarktet.

Gleichzeitig hat der Verband aber eingesehen, dass in Anbetracht der Verfügbarkeit realistischer Informationen und Bilder aus Ställen und Schlachthöfen diese Beschönigung nur bedingt überzeugend ist. Daher versucht er unter den Schlagworten „Transparenz“ und „Versachlichung“ der Bevölkerung die Idee abzugewöhnen, dass Tiere als fühlende Lebewesen überhaupt unseren Respekt und unser Mitleid verdienen. Sie müssen stattdessen als Waren und Ressourcen angesehen werden, deren einziger Zweck in der Herstellung von Produkten und der Erwirtschaftung von Profit liegt.

Beide Seiten seiner PR-Strategie verfolgt der DBV vorbildlich mithilfe von kreativen Kampagnen. Insbesondere bemüht er sich um eine frühzeitige Beeinflussung von Menschen, indem er eine Vielfalt an Lehrmaterialien für Schulen bereitstellt. Der Verein arbeitet dabei auch produktiv mit anderen wichtigen Institutionen wie dem Zentralverband der Deutschen Geflügelindustrie und der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands zusammen, damit die Inhalte auch auf jeden Fall ihrem Marketingzweck entsprechend gestaltet werden.

Besonders hervorzuheben ist die aktuelle Tierwohl-Initiative, an deren Entwicklung der DBV maßgeblich beteiligt war. Bald können Landwirte sich einzelne Maßnahmen „für’s Tierwohl“ vom Einzelhandel bezahlen lassen – natürlich auf freiwilliger Basis. Die Maßnahmen beeinflussen die Lebensqualität der Tiere denkbar minimal, können aber gleichwohl effektiv als Verbesserungen vermarktet werden. Weiterer Wunscheffekt der Tierwohl-Initiative: Indem die Nutztierindustrie selbst vorgibt, am Problemmanagement zu arbeiten, soll verhindert werden, dass gesetzliche Regelungen verschärft werden.

Das Aktionsbündnis Grüne Woche demaskieren! protestiert anlässlich der alljährlich stattfindenden Messe Internationale Grüne Woche mit vielen kreativen und bunten Aktionen gegen das heutige Landwirtschafts- und Ernährungssystem. Mit Informationsveranstaltungen soll zudem ein kritischer Diskurs über die Folgen der kapitalistischen Landwirtschaft und die immanente Ausbeutung von Mensch, Tier und Umwelt angestoßen werden.

Was meint ihr zur GrünenWoche? Twitter eure Meinung unter dem Hashtag #IGW2015, #GrueneWoche oder schreibt auf Facebook, was ihr davon haltet. Auch der Deutsche Bauernverein freut sich über Post @Bauernverband oder auch auf Facebook.

Titelfoto: Timo Stammberger

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